Ob wir etwas verändern, wissen wir erst hinterher.
Wir verändern nichts, wenn wir es nicht versuchen.
Anfängerin - 1. Jun, 20:07
In meinem Beruf erhält man ungewollte Eindrücke vom Familienleben anderer. Meistens kurz, aber selbst das will man eigentlich gar nicht wissen.
Da ist ein Vater. In einem Roman würde man ihn als "harten Mann" beschreiben. Ein harter Blick und ein harter Zug um die Mundwinkel. Bin ich dort, öffnet er oft die Tür. Hinter ihm sieht man neugierige Kinderköpfe aus den offenen Türen schauen. Aufgeregt flüstern und wispern. Er dreht sich um. Man muß nicht sein Gesicht sehen, um seinen strengen Blick zu fühlen. Mit der Hand zeigt er auf ihre Zimmer. Wortlos. Die Köpfe verschwinden erschrocken. Es raschelt nur.
Da ist ein anderer Vater. Sein Blick ist oft müde, aber freundlich. Er ist arbeitslos. Seine dürre Gestalt wirkt ein wenig wie die eines Penners. Ich bringe etwas und brauche eine Unterschrift. Nur der Sohn ist da, vielleicht 11 Jahre alt. Er tut sich schwer mit dem Schreiben und möchte es eigentlich nicht. Ich lasse ihm Zeit. Da kommt der Vater. Er freut sich, daß sein Sohn versucht zu schreiben und läßt ihn. Stattdessen verstaut er etwas in der Wohnung und kommt dann wieder. Fragt liebevoll wie es geht oder ob er soll. Der Sohn gibt auf und der Vater unterschreibt.
Anfängerin - 1. Jun, 17:11