Manche Kritiker des bedingungslosen Grundeinkommens behaupten, die Leute würden nichts mit sich anzufangen wissen. Am Anfang mag das so sein, denn wer ist das heutzutage schon gewohnt?
2001 gab es das Projekt "
Ein Dorf tut nichts" von Elisabeth Schimana und Markus Seidl:
Noch monatelanger Suche waren Schimana und Seidl in Eberhardschlag, einem kleinen Weiler im österreichischen Mühlviertel, angekommen. Acht Häuser, sieben Familien. Sieben Kinder (die schulfrei bekamen, um nichts zu tun), 10 Frauen, 13 Männer, die meisten von ihnen Nebenerwerbslandwirte, und Arbeiter oder kleine Angestellte im Hauptberuf. Normaler Tagesablauf: Aufstehen zwischen halb fünf und fünf, Feld- und Hofarbeit, Fahrt zum Hauptarbeitsplatz, dort Achtstundentag, Heimfahrt, Feld- und Hofarbeit, zwischen neun und zehn ins Bett. „Nichts tun", hatte die anfangs eher skeptische Frau Mülleder vermutet, „nichts tun, das muss man doch erst lernen." Ihr Mann dagegen: „Ich kann das schon."
Leicht wurde die Woche der Wahrheit dann für keinen. Aufstehen, Waschen, Anziehen - und dann? Während angemietete Ersatzarbeitskräfte das Essen zubereiteten und die Haus- und Feldarbeit erledigten, verfielen die Eberhardschlager - einige rasant, einige sehr allmählich - in lang entwöhnte Daseinsformen. Spazierengehen. Lesen. Nach dem Essen einfach sitzen bleiben, miteinander reden oder mit Gästen. Schließlich, am allerwenigsten gewohnt: Nachdenken, oder auch nur: Sein, der man ist.
Es gab Momente, in denen der eine oder andere das nicht mehr aushielt. Es gab Abende, an denen alle - sieben Kinder, zehn Frauen, dreizehn Männer - miteinander sangen. Das, was noch kommen muss, aber nie kommt, war plötzlich nah in dieser Woche: das Leben.
Das Problem ist nicht, ohne Arbeit zu leben. Das Problem ist, es zu lernen sich nicht darüber zu definieren.