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Sonntag, 14. August 2005

Himmel und Hölle

Ein Weiser bat den Schöpfer der Welt um die Gunst, noch zu seinen Lebzeiten einmal einen Blick in den Himmel und die Hölle tun zu dürfen, was ihm an allerhöchster Stelle auch gern gewährt wurde. So besuchte der alte Mann die Hölle und studierte die dortigen Verhältnisse sehr genau. Es schien ihm eigentlich alles sehr zivilisiert zuzugehen, doch fiel ihm auf, dass die Insassen abgehärmt und hohlwangig ihrer Wege gingen, obwohl die Tische, an denen sie aßen, überreichlich mit den allerfeinsten Dingen gedeckt waren. Des Rätsels Lösung war: Sie kamen nicht heran. Denn zum Essen stand einem jeden von ihnen nur ein riesiger Löffel mit einem langen Griff zur Verfügung, mit dem er die Speisen zwar aufnehmen, nicht jedoch zum Mund führen konnte. Das war die Strafe, die der Weltenschöpfer sich für jene Neunmalklugen ausgedacht hatte, die der Auffassung waren, sie seien die wichtigste Person in ihrem Leben.

Das leuchtete dem Weisen ein. Wie staunte er jedoch, als er im Himmel die gleichen langen Löffel gewahrte. Auch hier gab es nichts anderes zum Essen als eben dieses unpraktische Besteck, das in der Hölle als Foltergerät galt. Im Himmel jedoch waren die Seligen wohlgenährt, und von heiterer Seelenruhe, was den Weisen eine Zeit lang sehr verwirrte - bis das Essen aufgetragen wurde: riesige, dampfende Schüsseln voll irdischer und himmlischer Genüsse. Was unser Weiser dann sah, gab selbst ihm noch zu denken (obwohl Weise wirklich sehr viel denken und meist auch alles gründlich zu Ende). Erstaunt beobachtete er, wie sich die Himmelsbewohner mit ihren langen Löffeln - gegenseitig fütterten. Und er fand, dass es höchste Zeit sei, die Lebenden auf diesen einen bedeutsamen Unterschied zwischen Himmel und Hölle hinzuweisen. Er verabschiedete sich und eilte schnellen Schrittes in seine Heimalt zurück.


(eine Weisheitsgeschichte der Sufis)

Behindert?

Behinderte und Nichtbehinderte - zwei Welten treffen aufeinander. Beide halten die anderen oft für schwierig: Die Nichtbehinderten, weil sie unsicher sind, wie sie sich verhalten sollen. Es soll ja niemand denken, dass sie etwas gegen Behinderte hätten und wollen sich richtig verhalten. Die Behinderten, die vor lauter Fürsorge und Gutmeinen der Nichtbehinderten erst recht behindert werden.

Christiane Link vom Weblog Behindertenparkplatz erzählt davon. Zum Beispiel dieser Beitrag macht sehr nachdenklich: Verschont mich. Eine Liste von Sätzen und Fragen, die sie nicht mehr lesen oder hören will...
(c) Nina Dulleck

angemerkt.

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