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Samstag, 30. April 2005

Häuser wie Menschen

Manchmal kommen mir Häuser wie Menschen vor. Es gibt unscheinbare kleine Häuser, die von innen wunderschön und gemütlich sind. In ihnen fühlt man sich sofort zuhause. Andere Häuser sehen von aussen toll aus, aber von innen nur langweilig und vorhersagbar. Manche Häuser geben sich gross und mit viel Fensterfläche, aber wenn man hineinsieht, erkennt man nur Leere und genormte Schönheit. Die Bewohner verstecken sich in Winkeln, weil sie sich von aussen beobachtet fühlen. Natürlich findet man auch Häuser, die von innen wie von aussen interessant, schön, überraschend, offen, anregend, ... sind. Nur weil eine Fassade unter Denkmalschutz steht, muss dasselbe nicht für das Innere gelten.

Man könnte Häuser auch mit Weblogs vergleichen... ;-)

Kapitalismuskritik

Franz Müntefering legt immer wieder nach: die Kapitalismuskritik. Als altem Sozi glaube ich ihm, dass er ernst meint. Bei ihm wird es nicht nur Wahlkampfhilfe sein. Viele stimmen ihm zu, bietet er doch den idealen Sündenbock: das Kapital. Aber das ist viel zu einfach, zu platt, zu pauschal.

Unternehmer sind immer erst ihrer Firma verpflichtet, damit es ihr gut geht. In Zeiten der Globalisierung wird das immer schwieriger und unser Staat macht es ihnen auch nicht leichter. Niemanden hilft es, wenn eine Firma vor lauter Patriotismus in Konkurs geht.

Natürlich gibt es die Raffkes, die kurzfristig jeden Gewinn mitnehmen und nicht an morgen denken. Oft genug sind es die Geldgeber Banken und Aktienfonds, die die Richtung vorschreiben, weil sie sonst kein Geld geben. Aber wer steht denn hinter den Aktienfonds, die immer nur fordern? Haben Sie Aktien oder zahlen in einen Aktienfonds ein, damit es mehr gibt als nur ein paar lumpige Zinsen? Auch wenn Sie keine Aktien haben, wollen Sie nicht gute Ware zu einem günstigen Preis? Der Unternehmer will aber auch leben und seine Angestellten bezahlen können. Wir bräuchten ein anderes Wirtschaftssystem, um daran etwas zu ändern.

All die Jahre ging es uns gut in Deutschland. Wir wurden gehätschelt und geschützt, wie es innerhalb eines Staates nur möglich war. Nun weht der Wind der Globalisierung, der langsam in jede Ritze dringt. Dieser Wind kann scharf und kalt sein für jemanden, der immer nur in der warmen Bude gesessen hat. Aber er weht, wo er will. Man kann ihn vielleicht abschwächen und lenken, aber man könnte ihn auch nutzen. Es ist gut, über die Wirtschaft kritisch nachzudenken und Auswüchse zu verhindern. Aber es wird nie wieder so sein wie es war, das müssen wir akzeptieren.
(c) Nina Dulleck

angemerkt.

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